Die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) stehen vor großen Herausforderungen und die Unsicherheiten sind aktuell größer denn je: der Krieg in der Ukraine, drohende Energieknappheit, Lockdown in China, Rohstoffmangel, rasante Preisanstiege für Energie und Rohstoffe, fehlende Fachkräfte und Bewerber für Ausbildungsplätze. Hinzu kommen die Investitionen in den Strukturwandel. Die Unternehmen müssen immer mit Unsicherheiten umgehen und Krisen meistern. Aber noch nie haben sich die Risiken so konzentriert wie derzeit. Und auch die wirtschaftliche Lage der rund 25.700 Unternehmen in der M+E-Industrie mit ihren fast 3,9 Millionen Beschäftigten ist aktuell unterschiedlicher denn je.

Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau von 2018 ist derzeit ausgeschlossen. Die Unternehmen produzieren heute noch immer rund 12 Prozent weniger als noch vor den Krisen 2018. Im gleichen Zeitraum ist die Beschäftigung in der M+E-Industrie aber nahezu stabil geblieben und die Zahl der Arbeitsplätze ist lediglich um 3 Prozent gesunken. Das zeigt, dass die Unternehmen trotz Corona und Teilemangel an ihren Beschäftigten festhalten.

In dieser besonderen Situation brauchen die Unternehmen Verlässlichkeit, Planbarkeit und das Signal, dass es sich lohnt, durchzuhalten. Die Unsicherheiten dürfen nicht auch noch mutwillig erhöht werden. Denn die M+E-Industrie ist im Grundsatz gut aufgestellt. Die Kunden auf der ganzen Welt haben nach wie vor Interesse an den Lösungen der Unternehmen, die Auftragseingänge sind zufriedenstellend. Aber: Die Unternehmen können die Aufträge nicht abarbeiten, weil Material und Vorleistungen fehlen, weil die Pandemie nicht vorüber ist, weil Fachkräfte fehlen. Teilweise können die Aufträge aber auch nicht mehr kostendeckend abgearbeitet werden, weil Vorprodukte und Material teurer geworden sind, ohne dass die Kunden bereit sind, höhere Preise zu bezahlen.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre finanziellen Reserven in der Corona-Zeit dafür verwendet haben, Beschäftigung zu halten, obwohl keine Aufträge da waren. Sie müssen jetzt den Rückstand aufholen und das Geld verdienen, um die Investitionen für den Strukturwandel stemmen zu können.

So darf es nun weniger darum gehen, Wachstum zu verteilen, sondern darum, wie wir Wachstum schaffen können. Dazu müssen Investitionen in neue Technologien im Mittelpunkt stehen. Und die Beschäftigten wissen sehr wohl: Wenn Löhne zu weit steigen, werden die Produkte zu teuer und dann bekommen die Unternehmen morgen weniger Aufträge. Das bedeutet dann auch weniger Arbeitsplätze.

In dieser Lage kommt den Tarifparteien eine besondere Verantwortung zu. Mit den jüngsten Tarifabschlüssen haben wir auch bei den Unternehmen wieder Vertrauen in das Tarifsystem gewinnen können. Unser gemeinsames Interesse muss sein, das nicht zu verlieren. Wir wollen den Flächentarif stärken. Dazu muss er von allen Beteiligten – auch den Unternehmen – als Vorteil gesehen werden.

Das alles zeigt: Wenn Unternehmen und Beschäftigte an einem Strang ziehen, können wir diese Herausforderungen meistern. Deshalb gilt auch in der M+E-Tarifrunde 2022: Zusammen nach vorn!